In TGA-Projekten entstehen viele Missverständnisse, weil Auftraggeber, Fachplaner und Ausführung unterschiedliche Erwartungen an einen Planungsstand haben – und niemand sie sauber abgleicht. Die HOAI-Leistungsphasen geben dafür eine Struktur vor. Wirklich wirksam werden sie, wenn diese Struktur mit einem modellbasierten Workflow kombiniert wird.
§ 34 HOAI gliedert die Leistungen in Leistungsphasen, die konkreten Inhalte richten sich nach dem Leistungsbild (eine Übersicht hat das BMWK als PDF: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/h/hoai-2021.pdf?__blob=publicationFile&v=15). Für TGA ist das Leistungsbild „Technische Ausrüstung" die fachliche Referenz, an der die einzelnen Leistungsteile pro Phase hängen.
LP 1: Grundlagenermittlung
In LP 1 werden Zielbild, Randbedingungen und Ausgangsdaten geklärt. Für die TGA heißt das: Nutzungsanforderungen verstehen, Bestandslage bewerten, relevante Schnittstellen identifizieren. Bei Umbauten steckt hier die größte Unsicherheit. Sobald Bestand und Dokumentation auseinanderlaufen, lohnt der Blick auf Scan-to-BIM.
LP 2: Vorplanung
In LP 2 werden Varianten entwickelt und bewertet. Welche Systemlösung passt? Welche Trassenlogik ist realistisch? Welche Reserven brauchen wir für spätere Erweiterungen? Modellbasierte Vorplanung hilft, weil sich Varianten schnell vergleichen lassen.
LP 3: Entwurfsplanung
In LP 3 wird aus der Richtung eine tragfähige Lösung. Für die TGA: Raum- und Trassenkonzept, technische Grundentscheidungen, abgestimmte Schnittstellen. In BIM-Projekten sollte spätestens jetzt ein koordinierbarer Modellstand vorliegen, damit Konflikte früh sichtbar werden.
LP 4: Genehmigungsplanung
Je nach Projekt sind genehmigungsrelevante Nachweise zu erbringen. In der TGA kann das die Aufbereitung spezifischer Unterlagen sein. Wichtig: Die genehmigungsrelevanten Annahmen müssen mit dem Modellstand übereinstimmen – sonst entstehen später Brüche zwischen Planung und Ausführung.
LP 5: Ausführungsplanung
LP 5 ist in vielen Projekten die kritischste Phase. Hier entscheidet sich, ob aus einem guten Entwurf ein ausführungstauglicher Planungsstand wird. Detailtiefe, Schnittstellenklarheit und Änderungsmanagement sind die Hebel. Ein sauberer Revit-Workflow macht Änderungen nachvollziehbar und ihre Auswirkungen transparent.
LP 6 und LP 7: Vergabevorbereitung und Mitwirkung
In diesen Phasen werden Leistungsverzeichnisse und Vergabegrundlagen vorbereitet und Angebote fachlich begleitet. Wenn der Modellstand konsistent gepflegt wurde, lassen sich Mengen und Strukturinformationen direkt daraus ableiten.
LP 8: Objektüberwachung und Ausführung
Während der Ausführung zeigt sich, wie sauber LP 3 und LP 5 gearbeitet wurden. Stehen diese Phasen, sinkt die Zahl der ungeplanten Konflikte spürbar. In technisch dichten Projekten lohnt es sich, Montagefragen früh zu antizipieren und den Modellstand bei Bedarf as-built-nah weiterzuführen.
Was das für Auftraggeber bedeutet
Wer Leistungsphasen als reinen Formalismus behandelt, verschenkt Potenzial. Als Steuerungsinstrument bringen sie Planbarkeit. Konkret heißt das:
- klare Leistungsabgrenzung je Phase
- nachvollziehbare Modellziele je Meilenstein
- sauberes Schnittstellenmanagement zwischen den Disziplinen
- dokumentierte Entscheidungen statt impliziter Annahmen
Revit und BIM als Verstärker
BIM ersetzt die HOAI nicht. Aber ein gepflegter Modellstand zeigt früh, ob Entscheidungen tragfähig sind. Gerade in LP 3 bis LP 5 bringt das einen sichtbaren Qualitätsgewinn: weniger Reibung, weniger Nacharbeit, bessere Terminsteuerung.
Fazit
HOAI-Phasen geben Struktur, modellbasierte Planung liefert Transparenz. Zusammen bilden sie in TGA-Projekten die Grundlage für Entscheidungen, die über den ganzen Projektverlauf halten.
Wenn Sie ein Projekt entlang der HOAI-Phasen modellbasiert aufsetzen möchten, unterstützen wir Sie mit passgenauem Leistungszuschnitt und klaren Übergabepunkten.